RING Halle Ludwigshafen/Ring2013

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Siegfried

Ursprünglich lag es Wagner fern, einen ganzen vierteiligen Zyklus zu schaffen; zunächst hatte er nur die Absicht, eine „große Heldenoper“ mit dem Titel „Siegfrieds Tod“ zu erarbeiten: Aus dieser Idee entwickelte sich „Die Götterdämmerung“, der Schlussteil des „Rings“.

Dabei blieb es jedoch nicht, denn schon bald entschloss sich Wagner, als er sich im Züricher Exil befand, mit dem Titel „Der junge Siegfried“ ein Stück über die Jugend des Helden voranzustellen, das er letztendlich schlicht „Siegfried“ nannte. Wagner sieht in diesem seinen Helden den „von uns gewünschten, gewollten Menschen der Zukunft“, ja bezeichnet ihn gar als den „schönsten meiner Lebensträume“. Und in der Tat lässt er ihn als Helden par excellence auftreten, der alles mit sich bringt, was einen wahren Helden auszumachen hat, allem voran seine „die menschliche Normalität sprengende Herkunft“, wie Dieter Borchmeyer hervorhebt: Nicht nur, dass er in zweiter Generation von einem Gott abstammt, denn immerhin ist Wotan sein Großvater, er ist darüber hinaus aus der inzestuösen Verbindung von Siegmund und Sieglinde hervorgegangen.

Auf Grund dieser heiklen Zeugungsumstände verwundert es wenig, dass Sieglinde ihren Sohn in aller Verborgenheit zur Welt brachte. Da sie ausgerechnet bei Alberichs Bruder Mime Zuflucht gesucht hatte und bei Siegfrieds Geburt starb, wurde ihr Sohn von jenem halbmenschlichen, mythischen Wesen großgezogen. Dieser Held, der sich durch überbordende Kräfte auszeichnet, muss sich im Kampf mit einem Untier messen, mythologisch nicht selten in Gestalt eines Drachen verkörpert, und sich so einer „rituell-obligaten, heroischen Initialleistung“ (Dieter Borchmeyer) unterziehen. In seiner Unverwundbarkeit beweist er sich wiederum als Held, dem überdies bei dieser Gelegenheit jener unermessliche Schatz in die Hände fällt, den Fafner als Drache wie seinen Augapfel gehütet hatte. Mit den Worten „Was ihr mir nützet weiß ich nicht“, nimmt Siegfried Tarnhelm und Ring an sich, meuchelt auf die Schnelle seinen ungeliebten, auf den Schatz spekulierenden Ziehvater Mime, der ihn ohnehin nach der Drachentötung vergiften wollte, macht das Gold unzugänglich, auf das auch Alberich längst ein Auge geworfen hat, und sich selbst auf zur nächsten Heldentat: Die Befreiung und Eroberung der Walküre Brünnhilde wartet auf ihn, die von ihrem Vater Wotan in eine Art Dornröschenschlaf versetzt worden war und nur durch einen Helden wie Siegfried erlöst werden kann.

Siegfried, der weder Vater noch Mutter kannte und von seinem Ziehvater Mime niemals menschliche Nähe erfahren hatte, macht sich nun sehnsuchtsvoll und unerschrocken, wie ein Märchenheld, auf zur schlafenden Walküre. Unbefangen und vor allem unverdorben durch das Gold, das ihn nicht weiter interessiert hat, ist er dazu berufen, auch diese Gefahr zu bestehen, den Feuerring zu überwinden, der ihn von Brünnhilde trennt, und das Wunder der erwachenden Liebe zu erfahren – und mit einem Mal zu wissen, was es heißt, Furcht zu empfinden. Auch Brünnhilde empfindet diese Angst beim Anblick dieses „ganz und gar unreifen Mannes, der ihr als exemplarischer Inbegriff jedes Mannes gegenübertritt“, wie Dieter Schickling ausführt. Womöglich ahnen beide schon zu diesem Zeitpunkt, dass sie den Urzustand ihrer so eruptiv erwachten jungen Liebe, den sie wie eine glückliche Insel erleben, auf der „Natur und Liebe alles – Macht und Besitz noch nichts sind“ (Dieter Borchmeyer), nicht lange werden genießen können. Vorerst jedoch fallen sie, nachdem sie ihrer beider Furcht erst einmal überwunden haben, laut Richard Wagner „wie zwei Tiere“ übereinander her und er fügt hinzu: „Da ist kein Zweifel, keine Sünde.“

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Eine Koproduktion des Theaters im Pfalzbau Ludwigshafen und der Oper Halle in Kooperation mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

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