Der Ring des Nibelungen
Richard Wagner arbeitete über ein viertel Jahrhundert an seiner Operntetralogie. Begonnen hatte er seine Arbeit mit einer Vorstudie zum Libretto „Siegfrieds Tod” 1848. Während einer intensiven Beschäftigung mit dem Nibelungenstoff sah er die Notwendigkeit, die Vorgeschichte zu Siegfrieds Tod ebenfalls im Detail darzustellen. Wagner erstellte nicht nur ein einziges Libretto, sondern gleich vier und vertonte diese gemäß der Handlungschronologie. So entstanden in den Jahren 1851 und 1854 der Vorabend zum Zyklus, „Das Rheingold”, 1851 bis 1856 „Die Walküre” und 1853 bis 1857 die ersten beiden Akte des „Siegfried”. Nach einer Schaffenspause vollendete er „Siegfried” 1869 und setzte mit der „Götterdämmerung” 1869 bis 1874 schließlich des Schlusspunkt zur Operntetralogie. Die erste Gesamtaufführung des Werkes fand vom 13. bin zum 17. August 1876 im Bayreuther Festspielhaus statt.
Mit seinem „Ring des Nibelungen“ durchbrach Richard Wagner in revolutionärer Manier die angestaubten Opernkonventionen seiner Zeit. Seine Kritik an einer immer brutaler werdenden, industrialisierten Welt, am schonungslosen Machtkampf der gesellschaftlichen Gruppierungen kleidete er, ganz Künstler des 19. Jahrhunderts, in das mythologisch-entrückte Kunstgewand einer vorzeitlichen Götter- und Phantasiewelt.
Zugleich wurde die Oper zur großen Sinfonie, das Orchester zum ebenbürtigen Protagonisten einer musikalischen Erzählweise ohne Arien und Rezitative, welche als Relikte einer überholten Gesellschaftsordnung gegen die Idee eines „Kunstwerkes für alle“ standen. Längst ist das Musiktheater Wagners wieder in die elitäre Welt der angestammten Kunsttempel eingezogen.
Über Richard Wagner
Die Bedeutung Richard Wagners für die Musik und Kunstauffassung seiner Zeit ist kaum zu überschätzen. Sie gründet sich nicht nur auf seine Werke selbst, seine Opern und Musikdramen mit ihrer fruchtbaren Rezeptionsgeschichte, sondern auch auf seine persönliche Ausstrahlung, auf seine Impulse und künstlerischen Anregungen, die auch nach seinem Tode von Bayreuth aus weitergetragen wurden.
Geboren wurde Richard Wagner am 22. Mai 1813 in Leipzig. Seine Kindheit verbrachte er in Dresden, später in Leipzig. Nahm er zunächst nur sporadischen Kompositionsunterricht, unterwies ihn in den Jahren 1831 und 1832 der Leipziger Thomaskantor Christian Theodor Weinling. Bereits 1833 wurde er Korrepetitor in Würzburg und folgte 1836 seiner ersten Frau, der Schauspielerin Minna Planer (1809-1866), an das Theater Lauchstädt. Weitere Engagements führten ihn nach Magdeburg, Königsberg und Riga, wo er 1837 bis 1839 Musikdirektor war. Anschließend verbrachte er einige Jahre in Paris. 1842 erzielte er mit „Rienzi” seinen ersten großen Opernerfolg. Nur ein Jahr später wurde er zum Königlich Sächsischen Hofkapellmeister an der Oper Dresden ernannt. Dort konnte er die noch in der Seinemetropole komponierten Opern „Der fliegende Holländer” und „Tannhäuser” uraufführen.
Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand wurde Wagner 1849 steckbrieflich gesucht und flüchtete nach Zürich. Dort verfasste er einige für seine Kunstanschauung wichtige Schriften und begann mit der Arbeit an seiner Operntetralogie „Der Ring des Nibelungen”. Neben dem „Rheingold” und der „Walküre” schrieb er zwei Akte der Oper „Siegfried”. 1857 unterbrach er seine Arbeit an dem Zyklus. Er sollte sie erst zwölf Jahre später wieder aufnehmen. Wegen seiner Liebe zu Mathilde Wesendonck, der Frau seines Freundes, Großkaufmann Otto Wesendonck, musste Wagner 1858 – mitten in der Arbeit an „Tristan und Isolde” – sein Schweizer Exil verlassen. Er lebte eine Zeit lang in Venedig, Luzern, Paris und Wien. 1864 schließlich berief König Ludwig II von Bayern Wagner nach München, wo 1865 die Uraufführung von „Tristan und Isolde” stattfinden konnte. Bereits ein Jahr darauf verließ er die Stadt an der Isar wieder – er zog ins schweizerische Triebschen bei Luzern und heiratete dort 1870 seine zweite Frau Cosima, eine Tochter seines Freundes Franz Liszt. Wagner beendete in dieser Zeit „Siegfried” und begann mit der Arbeit an der „Götterdämmerung”. 1872 siedelte die Familie über nach Bayreuth, wo noch im selben Jahr die Grundsteinlegung zum Festspielhaus erfolgte. Nachdem auch die Komposition der „Götterdämmerung” 1874 abgeschlossen war, fanden von 13. bis 30. August 1876 die ersten Aufführungen des vollständigen Bühnenweihspiels „Der Ring des Nibelungen” statt. 1882 folgte die Uraufführung seiner letzten Opernkomposition „Parsifal”. Richard Wagner verstarb am 13. Februar 1883 in Venedig und wurde anschließend in Bayreuth beigesetzt.



