Hansgünther Heyme

Portrait Hansgünther Heyme

Hansgünther Heyme wurde 1935 in Bad Mergentheim geboren. Nach Assistenzen bei Erwin Piscator und einer Ausbildung zum Schauspieler folgten zwischen 1957 und 1959 erste Inszenierungen in Mannheim und Heidelberg. Von 1963 bis 1968 war Hansgünther Heyme Oberspielleiter in Wiesbaden, danach wechselte er zum Schauspiel Köln, wo er 1972 Schauspieldirektor und 1975 Schauspielintendant wurde. Weitere Stationen waren das Württembergische Staatsschauspiel Stuttgart (1979–1985) sowie das Essener Schauspiel (1985–1992). Während seiner Essener Zeit leitete er die Abteilung Darstellende Kunst an der dortigen Folkwang Hochschule. Von 1992 bis 1994 ging Heyme als Generalintendant nach Bremen und wurde 1990 Festspielleiter und Geschäftsführer der Ruhrfestspiele Recklinghausen, die er bis 2003 mit großem Erfolg zu einem »Europäischen Festival« umgestaltete. Seit Februar 2004 leitet er das Theater im Pfalzbau Ludwigshafen.
In den 1960er Jahren gehörte Heyme mit einigen Aufsehen erregenden Inszenierungen (z.B. WILHELM TELL 1963) zu den Theaterleuten, die das moderne Regie-Theater in der BRD begründeten. Seine wichtigsten Inszenierungen beschäftigten sich mit antiken Stoffen und mit Schiller. Um vor allem ein junges Publikum für das Theater zu gewinnen, gründete Heyme in Köln, Stuttgart, Essen und Bremen den »Jugendclub Kritisches Theater« – ein wegweisendes und vielerorts kopiertes Modell, in dem Jugendliche jedweder Herkunft gemeinsam mit Theaterleuten an Inszenierungen und Projekten arbeiten.
Als Theaterpolitiker hat Heyme vor allem in Nordrhein-Westfalen in finanziell schwierigen Zeiten gegen den Abbau von öffentlichen Subventionen gekämpft und zugleich als einer der Ersten (1985) Überlegungen zu strukturellen Veränderungen in der Theaterorganisation angebracht. Als Schüler von Erwin Piscator vertritt Heyme dessen politische Theaterkonzeption. Jenseits aller Parteipolitik sieht er im Theater einen der letzten gesellschaftlichen Freiräume, in dem mit utopischen Modellen über ein lebenswerteres Leben diskutiert und im Sinne eines politischen Forums Stellung bezogen werden kann.